Auftragsproduktion für den NDR: "Menschen-Länder-Abenteuer"
CAPRI: MYTHOS OHNE SPERRSTUNDE
Sendung: ARD 26. August 2006 23:45 Uhr
Unten, da ist es bunt und derb. Täglich spucken die Fähren im Hafen von Capri Tausende Touristen aus. Die Marina Grande ist Sammelplatz der Verkäufer, Schlepper, Ausflugskapitäne und Taxifahrer; ein bunter und ein lebendiger Ort.
Die meisten Besucher nehmen sich einen Tag Zeit, dann geht´s wieder zurück aufs Festland. VIPs und Stars bleiben eine oder mehrere Nächte.
Oben, über dem Golf von Neapel thront die Piazetta - ruhig und mondän. Der Platz ist überschaubar, in den Cafè Tiberi, Gran Café, Caso und Piccolo Bar kann jeder jeden beobachten. Touristen-Trash und Promi-Glamour vermengen sich hier so dicht wie kaum anderswo. Die Piazetta ist das pulsierende Herz, für die Capresen die allgegenwärtige Seele der Insel. Kaum einer von ihnen hat Capri jemals verlassen. Capri ist ein Mythos, eine Freiluftbühne und ein Wort, bei dem Sonne und Meer, Lebenslust und Snobismus mitklingen. Rudi Schuricke machte die Mittelmeerinsel 1947 berühmt: Fast jeder Deutsche kann seine Caprifischer mitsummen. Capri ist bis heute die Blaue Blume für romantisch Veranlagte, und das nicht nur wegen der Blauen Grotte, sondern auch wegen der blauen Eidechse und des legendären Sonnenuntergangs.
Manche nennen Capri das Sylt Italiens: Wie im hohen Norden prallen hier reiche Tanten und typische Touristen in den Sommermonaten aufeinander. Bis zu 16.000 Tagesurlauber wurden schon an einem einzigen Tag gezählt. Doch früh am Morgen und am Abend, wenn der letzte Ausflugsdampfer die Inselverlassen hat, sind die Schönen, die Reichen und natürlich die Capresen unter sich.